Erstellt am:21.06.2025- Zuletzt aktualisiert:23.07.2025
Migräne ist weit mehr als nur Kopfschmerz. Für Betroffene ist sie eine komplexe neurologische Erkrankung, die mit wiederkehrenden, oft einseitigen, pulsierenden Kopfschmerzen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit, Übelkeit und sogar neurologischen Ausfällen einhergeht.1 In Deutschland leiden Millionen Menschen unter Migräne, viele davon chronisch. Die Lebensqualität ist oft massiv eingeschränkt: Beruf, Familie und soziale Kontakte werden durch die häufig unvorhersehbaren Attacken stark beeinträchtigt.
Viele Patient:innen berichten von einem langen Leidensweg – mit zahlreichen Arztbesuchen, verschiedenen Diagnosen und immer neuen Therapieversuchen. Die Unsicherheit ist groß, denn die Ursachen der Migräne sind vielfältig und individuell. Häufig werden Patient:innen mit ihren Symptomen nicht ernst genommen oder als „überempfindlich“ abgestempelt. Das führt zu Frustration, sozialem Rückzug und nicht selten zu depressiven Verstimmungen.
Mein Name ist Dr. Daniel Huse. Wir sind hier im Ahrtal. Ist leider etwas bekannt geworden durch die Flutkatastrophe vor zwei, drei Jahren. Ich komme auch gebürtig hier aus der Region. Wenn man hier aus der Region kommt, geht man auch nicht weg. Ich hab an der Uni Bonn studiert, war da, da meine Ausbildung zum Narkosearzt und Intensivmediziner gemacht war da lange Zeit.
Und ja, 2016 wollte ich dann was anderes machen. Wollte mal weg von der Uni, von den universitären Strukturen und Schmerztherapie. Hat mich immer interessiert. Habe dann meine Ausbildung hier in Linz und Remagen gemacht. Ein größeres Krankenhaus mit einer stationären Schmerztherapie und einem großen Ambulance. Und da hab ich auch den ersten Kontakt zu Cannabinoiden bekommen. 2017 durften wir im stationären Bereich dann mit Dronabinol viele, viele Patienten versorgen.
So bin ich da dran gekommen. Und ja, da ich Narkosearzt bin, da sitzt man ja viel, muss man viel abwarten, man kann viel infiltrieren. Und was mir gefehlt hat, ist das Arbeiten mit den Händen, eine gute orthopädische Untersuchung. Und dann hab ich mich für die Osteopathie interessiert, hab da einfach mal mit angefangen und hab das dann sehr begeistert fortgesetzt.
Arbeite mittlerweile einen kompletten Tag Osteopathie, was ich meiner Meinung nach sehr, sehr gut in die sogenannte Schulmedizin integrieren lasse. Das ist eigentlich eins und ich habe ja eine kleine Kassenpraxis im Alter. Wir versorgen relativ breit viele Flutopfer, viele Patienten mit Rückenschmerzen nach Operationen an dem Osteopathie Tag arbeite ich vom Säugling bis zum über 90-jährigen, also relativ breit und ja.
Also ich habe mal eine Ausbildung in Linz gemacht und die Kollegen kamen aus dem Ruhrpott. Das ist da ein bisschen anders. Das ist nicht so von oben herab. Nicht so eine Hierarchie, sondern mal ein Patient gehört halt einfach dazu. Wir werden da auch mitunter geduzt. Macht nicht jeder, finde ich. Aber. Also kann man machen. Dann habe ich einmal einen längeren Artikel gelesen, wie die Kanadier eben mit Cannabis therapieren und was mich da sehr beeindruckt hat, dass die sich ein sehr, sehr langes Gespräch nehmen und den Patienten über verschiedene Therapieoptionen aufklären und ihm nachher sagen Ja, versuch mal und sag mir mal, was passt.
Das ist sehr, sehr gewöhnungsbedürftig, weil wir sehr hierarchisch und man muss immer das machen, was oben einer sagt. Und ich habe damit auch angefangen und habe dann eben gesehen, was das für ein Mehrwert ist, wenn man den Patienten mit einbezieht und was die so erzählen und sehe, dass man damit deutlich weiter in der Therapie kommt, wenn man den Patienten wirklich in den Fokus stellt.
Die wissen unheimlich viel über ihre Erkrankung, gerade über Schmerzerkrankungen sind, weil man ja auch viel Ablehnung und so stößt und es beeindruckend, was die sich erarbeiten, was die googlen, aber was die auch, also was die auch wirklich für rationale Zusammenhänge da eben ziehen, stoßen da relativ viel auf Ablehnung und ich bekomme so auch relativ oder ich lerne so viel.
Aber wenn der Patient sich relativ, wenn er sich öffnen kann und dann eben so seinen Schmerz beschreibt, bekomme ich sehr, sehr viele Informationen, die sonst verloren gehen. Und die sind für die Therapie unabdingbar, sonst funktioniert es nicht. Also um was schätzt du, wann der Arzt das erste Mal unterbricht? Ein Patient, wenn er reinkommt. Früher Ortmann Hausnummer in zwei Minuten zwölf Sekunden.
Also wir intervenieren ungefähr unter 20 Sekunden. Ich man zwei unter 15 Sekunden. Unterbrechen wir das erste Mal. Wann hört der Patient? Ein Patient kommt natürlich mit so einer Akte. Und wir haben Angst, dass der jetzt 20 Minuten uns die Zeit nimmt. Wann hört der Patient auf zu reden? Wenn wir den nicht unterbrechen. Okay, Ärzte. Keine 90 Sekunden. Er braucht 90 bis 1 120 Sekunden, wenn man ihn nicht unterbricht.
Danach hört auch auf. Guckt einen ganz, ganz erstaunt an, weil das kennen die nicht. Und das ist auch so und das reicht schon, wenn man den Patienten nur beim Erstkontakt aussprechen lässt und wenn man auf die Beschwerden eingeht, weil durch untersucht Bildgebung. So, das haben wir alles. Das muss man gar nicht so besprechen, weil man muss den Patienten fragen hier, wie fühlt sich das für dich an, wie ist das im Alltag?
Wie beschreibst du den Schmerz? Ist es eher prägnant, Ist es eher stichartig? Ist es ein dumpfer? Und was mich dann auch mittlerweile wirklich erschüttert, ist Die Patienten sagen Ich hab Rückenschmerzen, ich habe was haben alle festgestellt, sind Ärzte. Man sagt den Patienten Ja, dann zeig mal, wo es wehtut. Und dann zeigen die mitunter eine Etage tiefer auf das Kreuzbein und da sind dann die Schmerzen, wo man dann denkt okay, wenn ich dem Patienten nicht zuhöre, wenn ich dem noch nicht mal sage, zeig mir mal, wo es weh tut, komme ich nicht weiter.
Man muss sich da wirklich als Arzt zurücknehmen, weil man will ja immer, man will das auch schon wollen. Ja, und wenn man sich da ein bisschen zurücknimmt, merkt der Patient auch direkt Hey, da werde ich nicht abgefertigt, da hört einer wirklich zu oder hat ein Interesse und man hat dann schon eine ganz andere Basis. Und dann kann man so ein Gespräch auch relativ strukt uiert und gut führen.
Und die Patienten sind bestens informiert. Die haben natürlich wenig medizinische Fachbegriffe. Klar habe ich aber auch meine Probleme mit. Wenn man aber dann versucht, den Schmerz anders zu beschreiben, wie denn für den Patienten, das komme ich auch in der Therapie und Diagnostik deutlich weiter. Bei uns gibt es ja immer nur Arthrose, Schmerz, dieser dumpfe Schmerz, mittlerweile auch so ein Brennen und ein Schmerz, der vom Nerv ausgeht, aber so ein Muskel fast den Schmerz ist nicht existent.
Der wird auch von den Kollegen nicht wahrgenommen. Patienten immer. Hab da mal Brennnessel früher gespielt. Ja, ja, ja, ja, mein Kandidat Brennnessel Ja klar. Dann sage ich immer Tut das weh? Ja, meinst du? Ja, das ist bei uns in der. Also, wenn wir jetzt Schmerz oder so diagnostizieren, ist das Muskel Faszien System oft eben nicht Bestandteil. Und wenn der Patient mir sagt ja, das fühlt sich an wie Brennnessel, dann weiß ich auch viel eher, dass es eben aus einem anderen System kommt als jetzt.
Der Nerv. Und wenn ich da nicht zuhöre, das zeigen lasse, komme ich eben nicht weiter. Und ja, der Patient steht im Mittelpunkt, weiß relativ viel und was auch ganz wichtig ist, wenn man dem Patienten sagt so, wir machen die Therapie mit dir zusammen, ich mach Vorschläge und welchen Weg wir nachher gehen, entscheidest du. Woher soll ich wissen, was funktioniert?
Wir sind alle sehr, sehr individuell. Wir haben Unverträglichkeiten. Die Schulmedizin passt auf 90 %. Was machen wir mit den anderen zehn? Und wenn man dann sagt, so wir müssen einiges ausprobieren, da kann das und das passieren, aber du entscheidest das hat man die Patienten auf dem Boot und da auch zu diesen Cannabisextrakten. Ich habe auch mit den Tropfen angefangen, um euch ganz begeistert, dass man dann eben eine feste Dosis hat und eine Tablette presst.
Man nimmt dem Patient die Autonomie. Wenn man dem sagt, Du brauchst zwischen drei und sechs Tropfen variieren, hat er seine Autonomie und das ist so wertvoll für den Patient, weil er sich wieder selber seiner Therapie steuern kann. Heute brauche ich Sperma. Ich habe mehr gemacht. Brauchen Tropfen weniger? Heute hatte ich ein bisschen mehr Stress, einen mehr. Man gibt ihm viel, viel Verantwortung zurück und die Patienten schätzen das.
Und es geht ja auch um die. Der Patient weiß, wie der Tag gelaufen ist und ich weiß das nicht in zwei Minuten als Arzt. Also ich bin an der Uni groß geworden, an der Uni Bonn Intensivmedizin. Da probiert man wirklich alles aus. Und die ersten Patienten hatten auch noch diese komischen Kapseln. Hatte da mal einer, Da musste man aufpassen, dass die auf der Station nicht entwendet werden.
Und dann haben alle geguckt. Aber das war eben noch so keine Therapie. Und dann mit 2017, mit dem Dronabinol In der Schmerztherapie haben wir viele austherapierte Patienten gehabt, wo wir Los dann eben eingesetzt haben. Und wir versuchen alles in der Schmerztherapie und nur darum habe ich einfach mit angefangen. Also das sind Patienten, die standen wirklich mit dem Rücken an der Wand.
Hochdosist, Opiat Antiepileptika, trotzdem ein sehr hohes Schmerzniveau. Also kurz vor der lange, lange Chronifizierung keine Lebensqualität. Da wir am Anfang gedacht haben, wer weiß was passiert. Das war ja immer sehr, sehr negativ. Aufgeladen haben wir nur die haben wir die Chron ifizierten, den Patienten genommen, mussten alle nicht was passiert haben, was ganz offen mit denen besprochen. Wir hatten aber auch oft neuropathischen Schmerz, wo nichts geholfen hat und dass man dankbar für jeden Versuch.
Und dann haben wir gesehen, dass da nicht nichts passiert. Das war ziemlich verblüffend, weil wir mit Opioidinjektion Infiltration auch hier oben im Bereich sehr, sehr viele Komplikationen machen können. Und das Cannabis war komplikationsfrei. Wir haben gesehen, dass die relativ zügig schlafen, was immer gerade in der Schmerztherapie sehr wichtig ist und dann haben wir im Endeffekt alle Patienten auf orale nur orale kann ab und einen Dronabinol begonnen und im reinen THC und haben eigentlich alle unsere Patienten oder viele Patienten darauf eingestellt für Nachtschlaf und als Additive in der Therapie haben gesehen, dass wir andere Medikamente reduzieren konnten und das hatte schon 2018 19.
Festen Bestandteil oben bei uns in der Schmerztherapie. Und dann bin ich irgendwann auch auf die Extrakte um also gewechselt. Habe mir das angeguckt, hatte da am Anfang viele Nebenwirkungen vom Magen Darm Trakt auf die Öle. War am Anfang noch nicht so ausgereift und dann habe ich so den ersten Kontakt mal dazu, dass in die Extrakte immer was anderes reinkommt und die Patienten sagten das wirkt so, wirkt so und dann denkt man immer oder ich mache das meistens, wenn, dann frage ich auch, was war da los?
Kann ja eigentlich nicht sein, ist ja das gleiche. Aber wenn das immer mehr Patienten sagen, die man lange betreut, dann ist das so so und dann hat man ja dann auch mal nachgefragt, ja, würde mal irgendwas anderes rein gepresst und von der Blüte. Und dann hatten wir damals mit einer Firma, die dann immer die gleiche Blüte eingeführt hat und sind wir dann auf die Extrakte gewechselt, weil man da auch gesehen hat, dass die Kombination bei sehr, sehr vielen Patienten einen deutlichen Benefit bringt.
Und die Verträglichkeit war besser, weil es immer die gleiche Blüte ist. So, das kann ja auch nicht sein, wo man denkt hat, das ist ja alles noch viel, viel Gerede. Ich habe auch jüngere Patienten, die dann erklärt haben, ja, der große Sven Hess 22 eins wird ganz anders als die Indica 22 eins So, dann sagt man nee, das kann nicht sein das pharmakologisch, das funktioniert so nicht So dann kommt der nächste, dann kommt der nächste Patient und dann hat man einen Patient, der mit der Indica überhaupt nicht zurechtkommt mit 70 Jahren, der dann wechselt und dann hier vor mir sitzen und sagt, ich kann mein Leben führen.
Das ist ganz anders. Ich habe eine ganz andere Wirkung, wo man denkt, wie geht denn das so? Und ja, funktioniert, da ist noch mehr in der Blüte. Und das habe ich nur erfahren, weil die Patienten war es offen mit den Patienten eben angesprochen hat. Und seitdem lass ich mir von den Patienten die Wirkung eben auch gerne beschreiben und bin eben so auf die von euch gekommen, habe so ein Portfolio von 20 30 Blüten.
Warum er Blüten und warum auch immer von dieser 22 Guerilla Gläsern viele Patienten ein bisschen aktivieren und wenig Nebenwirkungen. Also ist bei mir somit die Lieblingsblüte über den Tag und das kommt aber nicht, weil ich mir dort überlegt, ob oder weil ihr, also weil ich das irgendwie gesehen hab, sondern weil der Patient, weil die Patienten mir das erzählt haben.
Worum dann? Mach mal eine Strichliste oder merk mir das. Und das passt auch bei den meisten Patienten. Aber wir haben heute ganz, ganz verschiedene Patienten, junge Patienten, die noch mitten in der Berufstätigkeit sind, die Ausfallzeiten hatten, die vor Operationen hatten, viele, viele Medikamente vorher eingenommen hatten und die jetzt mit einer reinen Cannabis Therapie arbeitsfähig sind, wieder mitten im Leben stehen, ohne Nebenwirkungen haben.
Das ist beeindruckend. Ältere Patienten, die aufgrund von Schmerzen komplett aus ihrem Alltag gerissen sind, die keine Lebensqualität mehr haben, die sich nicht mehr bewegen können. Was für mich auch sehr wichtig ist. Da haben wir mit einer niedrigsten Cannabis Therapie Opiate rausdosieren können und die können dann wieder an Mobilität teilnehmen. Die können wieder Fahrradfahren. Sehr beeindruckend finde ich auch, wenn aus einem Artikel berichtet wird, dass wenn es regnet, man wieder aufs Wasser steigt, das auch viele Ältere über 80 das reaktivieren auch die sich nicht raus trauen.
Und wenn die jetzt unter drei vier Tröpfchen Cannabisextrakt wieder mit dem Rollator an der A vorbei gehen. Das ist das schöne, an was man. Ich mache ja viel Osteopathie, da muss man Patienten auch gut beobachten und man sieht oft an den Gesichtszügen, wenn es sehr, sehr schmerzhaft ist oder wenn man sich so durchs Leben eben kämpfen muss mit einem chronischen Schmerz.
Und was immer sehr schön ist, wenn die Patienten so und man dann sieht, da ist so ein bisschen Entspannung, die schlafen bisschen besser und ich mache das immer sehr langsam mit dem Cannabis dosiert auch sehr langsam auf über ein paar Wochen. Und wenn man dann wirklich sieht, dass sie wieder zurück ins Leben finden oder wieder Lebensqualität haben, was auch ganz spannend ist.
Die Wirkung so auf das Muskelfasern System habe ich selber auch gar nicht so rausgefunden, sondern das ist mir von Physiotherapeuten und Osteopathen wiedergespiegelt worden. Die haben ein Patient gesagt Hier war das Los, du hast gar kein Beton mehr angerührt. Man kann an der Halswirbelsäule ein bisschen besser bewegen. Wir kommen mehr in die Mobilität. Und das war auch wieder so, was habe ich von von Patient mit Physiotherapeut und so zurückgespiegelt bekommen.
Dann fragt man so ein bisschen und setzt es auch mittlerweile sehr gerne bei mir fast ja und Schmerzen ein macht ja heute viel haben also was ich mir wünschen würde, dass wir eine rationale Schmerztherapie dem Patienten anbieten. Und im Vordergrund steht eben wenn wir medikamentös beginnen, dass wir den Patienten nicht schädigen, wenn wir Opioide ein dosieren mit 40 % Nebenwirkungen, Schwindel, Gangunsicherheit, Verstopfung, aber auch eine Immunsuppression, ist das immer ein hohes Nebenwirkungs potenzial.
Man braucht Opioide, nur Schmerztherapie, keine Frage, die werden nur vom Cannabis eingesetzt. Das ist meiner Meinung nicht rational. Weiterhin therapieren wir mit den coxiebenden Entzündungshemmer, die eben auch ein hohes Nebenwirkungsprofil haben, die wir natürlich auch benötigen. Aber auch das hat mehr Nebenwirkungen. Dann haben wir die Antiepileptika wie Prä Gabalin oder Gabapentin. Auch die haben natürlich einen Stellenwert in der Schmerztherapie.
Aber das ist auch wieder ein Abwägen zwischen Hauptwirkung und Nebenwirkung, gerade auch bei den Älteren. Mit den Nebenwirkungen können wir da relativ viel anrichten. Und warum nehme ich dann ein Medikament, was keine letale Dosis hat, was relativ breit wirkt und was eben nicht die Organe beeinträchtigt oder auch sonst. Das System fange damit an, gucke, was erreiche ich und fang und mache dann die anderen Medikamente eben on top, um dann eben auch weniger Nebenwirkungen zu haben.
Und von allen Schmerzmittel oder den meisten ist das Wirkung Nebenwirkungsprofil bei den Cannabinoiden Richtung Wirkung meiner Meinung nach am größten. Wo Studien fehlen, da sind wir in der Praxis halt etwas weiter. Deswegen sage ich auch, wir sollten eine rationale Schmerztherapie machen. Die muss natürlich evidenzbasiert sein, Aber dann müssen die Unis hinterherkommen, weil in der praktischen Arbeit von allen, die da beteiligt sind, vom Physiotherapeuten über Psychotherapeuten, Patient sowieso, die sagen, das funktioniert der Engländer.
Die klassische Migränebehandlung basiert auf Akut- und Prophylaxetherapien. Akut werden meist nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder spezielle Migränemedikamente wie Triptane eingesetzt. In besonders schweren Fällen kommen auch Antiemetika gegen Übelkeit oder sogar Opioide zum Einsatz. Zur Prophylaxe werden Betablocker, Antiepileptika, Antidepressiva oder monoklonale Antikörper verschrieben.
Doch nicht alle Patient:innen profitieren von diesen Medikamenten. Viele berichten von Nebenwirkungen wie Magenbeschwerden, Müdigkeit, Gewichtszunahme oder Konzentrationsstörungen. Besonders problematisch ist die Gefahr des sogenannten Medikamentenübergebrauchskopfschmerzes („Medication Overuse Headache“), der durch zu häufige Einnahme von Schmerzmitteln entstehen kann und die Migräne langfristig verschlimmert.2
Dr. Daniel Huse, Facharzt für Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie, kennt diese Herausforderungen aus seiner täglichen Praxis: „Viele Migränepatient:innen haben einen langen Leidensweg hinter sich. Sie haben zahlreiche Medikamente ausprobiert, oft mit mäßigem Erfolg und vielen Nebenwirkungen. Gerade bei chronischer Migräne stoßen konventionelle Therapien häufig an ihre Grenzen.“
In den letzten Jahren hat Medizinalcannabis als ergänzende oder alternative Therapie bei chronischen Schmerzen – und zunehmend auch bei Migräne – an Bedeutung gewonnen. Dr. Huse berichtet: „Seit 2017 dürfen wir in Deutschland Medizinalcannabis bei schweren Erkrankungen einsetzen. Gerade bei chronischen Schmerzpatient:innen, die mit klassischen Medikamenten nicht ausreichend behandelt werden können, bietet Cannabis neue Chancen.“
Medizinalcannabis enthält verschiedene Wirkstoffe, sogenannte Cannabinoide, die an das körpereigene Endocannabinoid-System andocken. Dieses System spielt eine entscheidende Rolle bei der Regulation von Schmerzempfinden, Entzündungsreaktionen, Schlaf, Stimmung und Appetit. Die wichtigsten Cannabinoide sind THC (Tetrahydrocannabinol) und CBD (Cannabidiol).
Dr. Huse erläutert: „Gerade bei Patient:innen mit Migräne beobachten wir, dass Medizinalcannabis nicht nur die Intensität der Kopfschmerzen reduziert, sondern auch die Häufigkeit der Attacken verringern kann. Viele berichten zudem von besserem Schlaf, weniger Stress und einer insgesamt höheren Lebensqualität.“
Im Vergleich zu konventionellen Schmerzmitteln und Opioiden bietet Medizinalcannabis aus ärztlicher Sicht mehrere Vorteile:
Dr. Huse betont, wie wichtig eine enge ärztliche Begleitung in der Medizinalcannabis-Therapie ist: „Die Auswahl des richtigen Präparats, die Dosierung und die Überwachung der Therapie müssen individuell abgestimmt werden. Es gibt keine Standardlösung. Der Patient steht im Mittelpunkt – seine Erfahrungen und Rückmeldungen sind entscheidend für den Therapieerfolg.“
In seiner Praxis nimmt er sich viel Zeit für das Erstgespräch: Welche Symptome stehen im Vordergrund? Welche Medikamente wurden bereits ausprobiert? Wie stark ist der Leidensdruck? Gemeinsam mit den Patient:innen wird ein individueller Therapieplan entwickelt.
Die Verordnung von Medizinalcannabis erfolgt nach sorgfältiger Prüfung der Indikation und in enger Abstimmung mit den Patient:innen. Dr. Huse erklärt: „Wir beginnen meist mit einer niedrigen Dosis und steigern diese langsam, um Nebenwirkungen zu minimieren und die optimale Wirkung zu erzielen. Die Patient:innen führen ein Kopfschmerz- und Symptomtagebuch, um den Verlauf genau zu dokumentieren.“
Medizinalcannabis kann in verschiedenen Formen verabreicht werden:
Dr. Huse bevorzugt in seiner Praxis Extrakte und Tropfen, da sie besser dosierbar sind und keine Rauchbelastung verursachen.
Die meisten Migränepatient:innen, die Dr. Huse mit Medizinalcannabis behandelt, haben bereits einen langen Leidensweg hinter sich. Viele sind chronisch krank, haben zahlreiche Medikamente ausprobiert und leiden unter deren Nebenwirkungen. Besonders ältere Patient:innen profitieren, wenn sie andere Medikamente (z.B. Opioide, Antidepressiva) reduzieren oder sogar absetzen können.
Ein Beispiel aus der Praxis: Eine 45-jährige Patientin mit chronischer Migräne und multiplen Medikamentenunverträglichkeiten berichtet nach Beginn der Medizinalcannabis-Therapie von einer deutlichen Reduktion der Anfallshäufigkeit, weniger Schmerzintensität und spürbar mehr Lebensqualität. Auch die Angst vor der nächsten Attacke nimmt ab, was wiederum einen positiven Einfluss auf den gesamten Krankheitsverlauf hat.
Viele Patient:innen äußern anfangs Bedenken wegen der gesellschaftlichen Stigmatisierung von Medizinalcannabis. Dr. Huse nimmt diese Sorgen ernst und klärt ausführlich über die Unterschiede zwischen medizinischer Anwendung und Cannabis für den Freizeitkonsum auf. „Es geht nicht darum, Patient:innen ‚high‘ zu machen, sondern Lebensqualität zurückzugeben“, betont er.
Das Nebenwirkungsprofil von Medizinalcannabis ist bei sachgemäßer Anwendung günstig. Häufige, meist milde Nebenwirkungen sind Mundtrockenheit, leichter Schwindel oder gelegentliche Müdigkeit. Im Vergleich zu Opioiden besteht kein Risiko für Atemdepression oder tödliche Überdosierung.3
Ein weiterer Vorteil: Bei medizinisch kontrollierter Anwendung gibt es keine Hinweise auf eine relevante Abhängigkeitsentwicklung oder Toleranzsteigerung. Dr. Huse hat in seiner Praxis keine Fälle erlebt, in denen die Dosis über längere Zeit ständig erhöht werden musste.
Die wissenschaftliche Datenlage zu Medizinalcannabis bei Migräne wächst stetig. Studien zeigen, dass Cannabinoide sowohl die Häufigkeit als auch die Intensität von Migräneattacken reduzieren können.4 Die positiven Effekte auf Schlaf, Stimmung und Lebensqualität werden ebenfalls regelmäßig bestätigt.
Dr. Huse verweist auf aktuelle Forschungsergebnisse: „Die Studienlage ist vielversprechend, auch wenn noch weitere, größere Untersuchungen nötig sind. In der Praxis sehen wir aber schon jetzt, wie sehr Patient:innen profitieren können – gerade dann, wenn andere Therapien versagen.“
Für Dr. Huse steht der Mensch im Mittelpunkt. Er sieht Migräne nicht nur als körperliches, sondern auch als psychosoziales Problem. Viele Patient:innen berichten von sozialer Isolation, Angst vor der nächsten Attacke und einem Gefühl der Hilflosigkeit. Die Cannabistherapie kann helfen, diesen Teufelskreis zu durchbrechen.
„Wir müssen die Patient:innen als Experten ihrer eigenen Erkrankung ernst nehmen“, betont Huse. „Wer Migräne hat, weiß oft sehr genau, was hilft und was nicht. Die Einbindung der Patient:innen in die Therapieentscheidung ist für den Erfolg entscheidend.“
Er empfiehlt, die Cannabistherapie immer in ein ganzheitliches Behandlungskonzept einzubetten – dazu gehören auch Entspannungsverfahren, Stressmanagement, Bewegung und eine strukturierte Alltagsgestaltung.
Trotz der positiven Erfahrungen gibt es weiterhin Hürden. Viele Ärzt:innen sind noch unsicher im Umgang mit Medizinalcannabis, es fehlen klare Leitlinien und die Bürokratie rund um die Kostenübernahme ist aufwendig. Auch gesellschaftlich gibt es noch Vorurteile, die den Zugang erschweren.
Dr. Huse bleibt dennoch optimistisch: „Ich bin überzeugt, dass Medizinalcannabis in Zukunft ein ganz normales Medikament sein wird – ohne Stigma und mit klarem medizinischem Nutzen. Die bisherigen Erfahrungen sprechen für sich.“
Er plädiert für mehr Aufklärung, Forschung und Offenheit im Gesundheitswesen. „Es ist wichtig, dass wir neue Wege gehen und Patient:innen die bestmögliche Therapie anbieten – individuell, empathisch und auf Augenhöhe.“
Migräne ist eine komplexe, oft chronische Erkrankung, die das Leben der Betroffenen massiv beeinträchtigt. Konventionelle Schmerzmittel und Opioide stoßen häufig an ihre Grenzen oder verursachen erhebliche Nebenwirkungen. Medizinalcannabis bietet eine moderne, gut verträgliche und individuell anpassbare Option in der Schmerztherapie. Unter ärztlicher Begleitung können viele Patient:innen von einer deutlichen Linderung der Symptome, besserem Schlaf und mehr Lebensqualität profitieren. Die Zukunft der Migränetherapie liegt in einem ganzheitlichen, patientenzentrierten Ansatz – Medizinalcannabis ist dabei ein wichtiger Baustein.
1 https://www.wicker.de/magazin/migraene-verstehen
2 Diener H.-C., Gaul C., Kropp P. et al., Kopfschmerz bei Übergebrauch von Schmerz- oder
Migränemitteln (Medication Overuse Headache = MOH), S1-Leitlinie, 2018; in: Deutsche Gesellschaft
für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online:
www.dgn.org/leitlinien (abgerufen am 07.07.2025)
3 Hameed M, Prasad S, Jain E, Dogrul BN, Al-Oleimat A, Pokhrel B, Chowdhury S, Co EL, Mitra S, Quinonez J, Ruxmohan S, Stein J. Medical Cannabis for Chronic Nonmalignant Pain Management. Curr Pain Headache Rep. 2023 Apr;27(4):57-63. doi: 10.1007/s11916-023-01101
Wang T, Collet JP, Shapiro S, Ware MA. Adverse effects of medical cannabinoids: a systematic review. CMAJ. 2008 Jun 17;178(13):1669-78. doi: 10.1503/cmaj.071178.
4 Okusanya BO, Lott BE, Ehiri J, McClelland J, Rosales C. Medical Cannabis for the Treatment of Migraine in Adults: A Review of the Evidence. Front Neurol. 2022 May 30;13:871187. doi: 10.3389/fneur.2022.871187.
Aviram J, Vysotski Y, Berman P, Lewitus GM, Eisenberg E, Meiri D. Migraine Frequency Decrease Following Prolonged Medical Cannabis Treatment: A Cross-Sectional Study. Brain Sci. 2020 Jun 9;10(6):360. doi: 10.3390/brainsci10060360.
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Die Studienlage ist noch begrenzt und nicht eindeutig, weshalb sich die medizinische Fachwelt uneinig ist. Es gibt einzelne Hinweise auf die Reduktion der Migränehäufigkeit, sowie die Linderung der Beschwerden, aber für eine offizielle Empfehlung werden weitere Studien benötigt.1,2
1 Okusanya BO, Lott BE, Ehiri J, McClellandJ, Rosales C. Medical Cannabis for the Treatment of Migraine in Adults: AReview of the Evidence. Front Neurol. 2022 May 30;13:871187. doi:10.3389/fneur.2022.871187. PMID: 35711271; PMCID: PMC9197380.
2 Aviram J, Vysotski Y, Berman P, LewitusGM, Eisenberg E, Meiri D. Migraine Frequency Decrease Following ProlongedMedical Cannabis Treatment: A Cross-Sectional Study. Brain Sci. 2020 Jun9;10(6):360. doi: 10.3390/brainsci10060360. PMID: 32526965; PMCID: PMC7348860.
Bei Inhalation kann Cannabis binnen Minuten wirken und möglicherweise die Schmerzspitze dämpfen.4,5 Ob es eine akute Migräne komplett stoppt, ist jedoch individuell sehr unterschiedlich und nicht bei allen Patient:innen der Fall.
4 Lucas CJ, Galettis P, Schneider J. Thepharmacokinetics and the pharmacodynamics of cannabinoids. Br J Clin Pharmacol.2018 Nov;84(11):2477-2482. doi: 10.1111/bcp.13710. Epub 2018 Aug 7. PMID:30001569; PMCID: PMC6177698.
5 Romero-Sandoval EA, Kolano AL,Alvarado-Vázquez PA. Cannabis and Cannabinoids for Chronic Pain. Curr RheumatolRep. 2017 Oct 5;19(11):67. doi: 10.1007/s11926-017-0693-1. PMID: 28983880.
Eine tägliche prophylaktische Anwendung ist eine Möglichkeit, ähnlich wie bei anderen Migräne-Prophylaxe-Medikamenten. Viele Patient:innen bevorzugen jedoch den Einsatz nur bei akuten Anfällen. Die Therapie mit Medizinalcannabis sollte unter ärztlicher Aufsicht erfolgen. Ihr Arzt/Ihre Ärztin erstellt einen individuellen Therapieplan für Sie.
Eine Therapie mit Medizinalcannabis kann bei Migräne eingesetzt werden, wenn alle anderen konventionellen Therapien versagt haben oder unverträglich waren. Bei chronischer Migräne mit sehr starken Einschränkungen können die Aussichten besser sein.
Patient:innen berichten von weniger Nebenwirkungen mit Medizinalcannabis als durch starke Schmerzmittel. Allerdings fehlen noch Langzeitstudien zum direkten Vergleich der Risiken und Nebenwirkungen. Die Therapie mit Medizinalcannabis sollte immer ärztlich begleitet werden.
Die Erfahrungen sind gemischt – einige Patient:innen berichten von Linderung, andere spüren keine Wirkung. Studien weisen darauf hin, dass die Migränehäufigkeit sowie der Auswirkung von Migräne auf den Alltag durch Medizinalcannabis reduziert werden kann.1,2 Allerdings sind weitere Studien sind nötig, um langfristig die Sicherheit und Wirksamkeit von Medizinalcannabis bei Migräne zu bestätigen.
1 Okusanya BO, Lott BE, Ehiri J, McClellandJ, Rosales C. Medical Cannabis for the Treatment of Migraine in Adults: AReview of the Evidence. Front Neurol. 2022 May 30;13:871187. doi:10.3389/fneur.2022.871187. PMID: 35711271; PMCID: PMC9197380.
2 Aviram J, Vysotski Y, Berman P, LewitusGM, Eisenberg E, Meiri D. Migraine Frequency Decrease Following ProlongedMedical Cannabis Treatment: A Cross-Sectional Study. Brain Sci. 2020 Jun9;10(6):360. doi: 10.3390/brainsci10060360. PMID: 32526965; PMCID: PMC7348860.
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Neurolog:innen, Schmerztherapeut:innen oder spezialisierte Cannabis-Ärzt:innen sind oft aufgeschlossener als Hausärzt:innen. Wichtig sind umfassende Unterlagen über bisherige erfolglose Therapien, um die medizinische Notwendigkeit zu belegen.
Die Zurückhaltung der Ärzt:innen liegt an der noch unklaren Studienlage. Krankenkassen genehmigen eine Therapie mit Medizinalcannabis bei Migräne nur selten, weshalb Ärzt:innen eher auf etablierte Therapien setzen.
Eine Verschreibung ist möglich, aber in der Praxis schwierig. Ärzt:innen und Krankenkassen sind bei Migräne als alleiniger Indikation sehr zurückhaltend, da die Studienlage noch nicht eindeutig ist.