Neue Wege bei Migräne: Wie medizinisches Cannabis Nicolas’ Leben verändert hat

Erstellt am:21.06.2025- Zuletzt aktualisiert:23.07.2025

Migräne ist mehr als nur Kopfschmerz – sie ist eine neurologische Erkrankung, die das Leben der Betroffenen massiv einschränken kann. Für Nicolas Enriquez, 30 Jahre alt, medizinischer und psychologischer Berater sowie Medizinalcannabis-Patient, war chronische Migräne ein ständiger Begleiter. Hinzu kamen weitere chronische Erkrankungen wie Psoriasis Arthritis und schwerwiegende Folgen mehrerer Covid-Infektionen. Erst die Therapie mit Medizinalcannabis brachte für ihn die ersehnte Wende. In diesem Bericht schildert Nicolas, wie er den Weg zur Medizinalcannabis-Therapie fand, welche Vorbehalte er als medizinische Fachkraft zunächst hatte, wie sich sein Alltag durch die Behandlung veränderte und warum Aufklärung und gesellschaftlicher Wandel entscheidend sind.

30-jähriger Mann sitzt im Rollstuhl am Fenster, entspannt und nachdenklich, Tageslicht fällt ins Zimmer – Symbol für neue Lebensqualität mit Cannabis.

  • Ausgangslage: Chronische Migräne mit mehrfachen wöchentlichen Attacken, zusätzlich Psoriasis Arthritis und Long-COVID-Symptome, rollstuhlpflichtig
  • Anfängliche Skepsis: Als Wissenschaftler in der Arzneimittelforschung lange skeptisch gegenüber Medizinalcannabis wegen Wechselwirkungsrisiken
  • Wendepunkt: Zufälliger Cannabis-Konsum im Urlaub führt zu 1-2 Tagen Schmerzfreiheit, daraufhin intensive wissenschaftliche Recherche
  • Therapiebeginn: Ärztlich begleitete Medizinalcannabis-Therapie mit individueller Dosierung und bedarfsorientierter Anwendung
  • Positive Effekte: Weniger häufige/intensive Migräneattacken, Reduktion von Begleitsymptomen, Wiedererlangung sozialer Teilhabe und Lebensqualität
  • Herausforderungen: Vorurteile im Gesundheitssystem, anfängliche familiäre Skepsis, Unsicherheit bei Ärzten bezüglich Anwendung
  • Fazit: Medizinalcannabis als wirksamer Therapiebaustein mit Bedarf an mehr Aufklärung und individueller ärztlicher Begleitung

Mein Name ist Nicolas E. Ich bin 30 Jahre alt und Medizinalfachberufler bzw als medizinischer und psychologischer Berater tätig und bin selbst aber auch Mediziner, Cannabispatient und das nun seit eineinhalb Jahren, weil ich verschiedenste Erkrankungen habe, wofür ich damals beantragt habe, war tatsächlich eine chronische Migräne, die ich hatte. Aber als Grunderkrankung habe ich eigentlich eine Psoriasis Arthritis. Also ich habe eigentlich eine Schuppenflechte, aber die ist bei mir vor allem auf den Bändern und auf Gewebe und Muskeln und so was vorhanden.

In den letzten vier Jahren war ja auch eine Covid Pandemie da und tatsächlich hat es mich jetzt nach der dritten und vierten Covert Infection mittlerweile auf einen Rollstuhl gepackt, weil ich unter anderem eine komplette Querschnittslähmung bzw eine komplette Lähmung aller vier Gliedmaßen habe, was sie vor allem durch Muskelschwäche, durch Muskelschmerzen, durch neuralgische, also durch durch Nervenschmerzen, durch extrem starke Müdigkeit, durch kognitive Einschränkungen.

Ich habe auch mittlerweile auch eine Kostenübernahme oder Zusage bzw werde aufgrund dieser ganzen verschiedenen Sachen mit medizinischem Cannabis mittlerweile therapiert. Aber ich bin ja Mediziner Fachberufler. Aber ich habe mehrere Jahre in der klinischen Arzneimittelforschung gearbeitet und habe ein generell sehr großes Verständnis von Wirkmechanismen von Medikamenten. Dadurch hatte ich mich sehr stark auch schon immer für das medizinische Cannabis interessiert bzw für Cannabis.

Ich war früher auch Cannabis Konsument, habe es aber bewusst aufgehört, weil meine chronischen Erkrankungen mit dazu kamen. Weil ich wusste es hat Interaktionen mit meinen Medikamenten, die ich sowieso schon einnehme dadurch. Wobei ich primär medizinischem Cannabis sogar eher negativ eingestellt, weil ich wusste, okay, die Erfahrungen die ich mit Cannabis gemacht haben, die hatten Interaktion mit meinen Medikamenten schon im Vorfeld und deswegen bin ich jetzt eigentlich gar nicht mehr einnehmen.

Aber ich war eben an dem Punkt, wo ich einfach komplett austherapiert war und bin dann in einem Urlaub, wo ich mit Freunden unterwegs war, wo ich dann auch eigentlich auf letzter Kraft eigentlich nur so hingeschafft habe, hatte ich dann mal wieder mit Freunden Cannabis konsumiert und hatte auf einmal gemerkt, dass meine Migräne, die irgendwie monatelang persistent vorhanden war, einfach auf einmal weg war.

Und das für ein, zwei Tage. Und das hat mich dann eigentlich nochmal zum Umdenken gebracht. Okay, vielleicht, dass hinter dem Cannabis doch noch vielleicht eine stärkere Wirkung als wir uns nur so vorstellen. Wir werden high von Cannabis oder werden müde oder was auch immer. Das sind auch so die Erfahrungen, die ich davor gemacht habe. Eigentlich eher zum Spaß, zum Runterkommen, zum Chillen, aber nie in diesem Ausmaß angewendet, oder?

Hätte mir nie dieses Ausmaß vorgestellt, das es eigentlich letztendlich hat. Ich war eigentlich negativ gegenüber Cannabis aufgeschlossen, weil ich aus der Arzneimittelforschung kam, weil ich aus diesem medizinischen Feld kam. Ich habe Gesundheits und Therapiewissenschaften studiert und was mir sehr stark geholfen hat, das halt einfach erstens auf die Evidenz zu schauen, die einfach schon vorhanden ist und wird auch ganz oft gesagt Ja, wir müssen erst mal auf die Evidenz warten, bis wir wirklich warten oder wissen, wie das Medikament oder wie die Medikamenten wirken.

Aber es gibt schon seit 2010. 2011 gibt es Studien, die bestimmte Wirkungsmechanismen bei chronisch erkrankten, bei akut erkrankten Menschen sozusagen zeigen. Mein wissenschaftliches Arbeiten hat mich eigentlich komplett davon umgestimmt, weil ich mich einfach aktiv damit beschäftigt habe, Einfach einen tiefen Backgroundcheck gemacht. Was, was was hilft? Gegen was kann es helfen und was ist mir auch noch ein bisschen vereinfacht Dadurch, dass ich auch als Gesundheits und Kinderkrankenpflege auf einer Intensivstation gearbeitet habe und sehr stark mit der Aromatherapie sozusagen schon immer in Verbindung war, weil wir es bei Kindern mit neurologischen Erkrankungen, mit Herzerkrankungen, mit verschiedensten Erkrankungen angewendet haben und wirklich positivste Erfahrungen gemacht haben, mit Schmerzmittel, die wir reduzieren konnten, oder Sedierungsmittel, die wir reduzieren konnten,

nur weil wir ein bisschen Zitronenöl und Lavendel sozusagen mit in den Raum gebracht haben. Das hat mich auch noch mal tiefer in die Cannabistherapie sozusagen reingelassen und auch verstehen lassen, weshalb es eigentlich so wirkt, wie wir es eigentlich wie ich es als Mensch oder als Patient dann am Ende auch spüre. Ich bin immer noch an genau den gleichen Erkrankungen erkrankt wie vorher, so dass es das ist.

Das ist kein Heilmittel, damit ich jetzt irgendwie von den Erkrankungen befreit bin. Aber ich kann zumindest mein Leben mittlerweile so führen, als als würde ich diese Erkrankung fast nicht mehr haben. Natürlich, sie sind immer da. Ich muss jeden Tag meine Medikamente einnehmen. Meine Erkrankung ist für mich immer präsent, aber sie ist. Sie kontrolliert mich nicht mehr so wie wie sie es noch vor zwei Jahren gemacht hat, wo ich komplett bettlägerig war.

Verschiedene Reize, sei es nur was hören, was zu laut ist. Ich habe monatelang eigentlich damit verbracht, nur im Bett zu liegen, auf der Couch zu liegen mit unserem neuen Hund damals da war also wirklich rausgehen oder dass wir zusammen was essen gehen können und dass es für alles ist alles nicht denkbar Oder war auch alles nicht möglich gewesen?

Was hat sich verändert, seitdem ich eben die Cannabis Therapie wieder begonnen hatte? Ich konnte meinen Job wieder aufnehmen, ich mache einfach auf und mir ist nicht schlecht. Ich habe keine extrem starken Schmerzen mittlerweile mehr. Ich sehe es nicht so als Erkrankung an, aber ich habe ADHS. Ich bin auch Autist und vor allem in Bereichen sozialer Interaktion. Ich bin einfach nicht mehr so schnell genervt von sozialen Situationen, wo es mich eigentlich sonst eigentlich extrem anstrengen würde, einfach nur der Person zuzuhören.

Ich gehe mittlerweile wieder gerne mit meiner Frau essen, wenn mich jemand fragt Hast du Lust, irgendwas zu machen? Dann sage ich nicht mehr Nein, weil ich. Ich hab erstens nicht mehr die Schmerzen auf der einen Seite, aber auch emotional habe ich nicht mehr so viel Berührungsängste generell. Medikamente konnte ich komplett absetzen zum letzten Jahr, als ich noch am Tag neun verschiedene Medikamente eingenommen habe, nehme ich mittlerweile nur noch eine einzige Tablette am Tag ein und der Rest ist das medizinische Cannabis.

Und ich habe 80 bis 90 % mehr Lebensqualität. Muss ich das mal vorstellen? Ich war in der Apotheke mit den Rezepten, die mir verordnet worden sind und die Apotheke wollte die Medikamente noch nicht mehr rausgeben, weil die Interaktion dieser Medikamente so gefährlich ist. Für den Körper. Und das hat mein Wesen komplett verändert. Ich war antriebslos. Eben. Durch den Wechsel auf die medizinische Cannabis Therapie konnte ich nach und nach einfach die Medikamente absetzen.

Aber ich hatte gleichzeitig durch die Cannabis Therapie trotzdem einen Ersatz dafür, dass ich trotzdem meine Leiden, die ich am Tag habe, die mich dazu bringen, dass ich im Bett liegen bleibe oder kein Licht mehr ertrage. Das ist einfach seitdem nicht mehr vorhanden. Wenn ich merke Ah, okay, das Licht, das wird mir ein bisschen zu grell, dann kann ich meine Bedarfs Cannabis Medikation einnehmen und dann?

Dann hat sich mein Nervensystem wieder reguliert und ich kann wieder ganz normal an der Konversation teilnehmen oder? Mittlerweile genieße es auch wieder öfter mal vielleicht meine Familie zu sehen. Dann auch die Situation mit ihnen halt mehr genießen als immer nur okay, wo kann ich jetzt das nächste Mal hin und mich ausruhen? So, das war eigentlich immer ja, vor allem gegenüber meinem Vater.

Der war immer extrem konservativ, was Cannabis anging. Als ich dann gesagt habe, ja, hier, ich bin jetzt Cannabispatient, war es auch so okay, Da hat man gemerkt, er weiß gar nicht, wie er damit umgehen soll, weil, weil, weil es halt einfach nicht in sein Weltbild passt. Und dann hat man aber auch gemerkt, welche Vorteile es eben hat, dass ich weniger Schmerzen habe, dass ich einfach sehr viel mehr Lebensqualität hat.

Man habe es mir auch angesehen. Man hat es mir auch angemerkt. Das ist eigentlich das, was man merkt, dass sogar der engste Kreis das eigentlich akzeptiert, weil die Menschen wollen ja nicht irgendwie für immer gegen Cannabis sein, sondern sie wollen ja, dass es einem besser geht. Auch wenn ich sehr schöne Erfahrungen im privaten Bereich gemacht habe. Als Patient als auch medizinischer Berater mache ich eigentlich ausschließlich schlechte Erfahrungen damit.

Hat angefangen damit, dass ich als Patient dann vorgeworfen bekomme ja, ich will mich ja nur high machen von der Schmerztherapeuten, was soll ich denn damit? Das bringt doch eh alles nichts. Auch wenn man dann nur Kostenübernahme hat, wird man auf einmal abgelehnt und es ist einfach eine extrem starke Angst vor diesem Produkt vorhanden, würde ich sagen, weil man es nicht so gut steuern kann wie eine Ibuprofen Tablette.

Dabei weiß ich welche Nebenwirkungen kommen, wenn ich zu viel gebe und das ist halt bei Cannabis halt nicht so, das ist das, das merkt man auch so, ja was soll ich denn da verschreiben? Es gibt 400 verschiedene Sorten. Also ich denke es ist einfach eine große Unsicherheit, die da vorhanden ist. Angst vor Regress, aber auch einfach eine komplett ideologisch andere Sichtweise.

Auch wenn man mit medizinischen und wissenschaftlichen Argumentationen kommt, sind die wissenschaftlichen und medizinischen Argumentationen, die dein Gegenüber hat, trotzdem noch die besseren und deine sind dann einfach falsch. Es ist einfach ein sehr unprofessionelles Verhalten, das ich vom ärztlichen als auch anderen therapeutischen Kollegen im Gesundheitswesen erfahre. Aber auf der anderen Seite gibt es dann auch wieder die einzelnen kleinen Ärzte, Ärztinnen oder auch vielleicht meine Klinik, die sich mittlerweile trauen, auch das medizinische Cannabis zu verschreiben.

Ich habe so viele Menschen als Patient selbst kennengelernt, wo Menschen einfach abgehängt werden, wo sie falsche Informationen, falsche Versprechen aus der Medizin erhalten. Manche Erkrankungen bedürfen dann eben ein genaueres Augenmerk und und genau solchen Personen dann auch zu helfen. Vor allem mit dem Wissen was Ich habe. Über das Gesundheitswesen auf jeden Fall äußerst positives Gefühl und motiviert einen natürlich auch, das immer weiter voranzubringen.

Weil wir in der Medizin immer darauf fokussiert sind, irgendwas zu heilen, sind sehr, sehr viele Heilsversprechen in der Medizin vorhanden, die wir einfach nicht geben können, vor allem bei chronischen Erkrankungen. Aber was man da eben machen kann, ist halt, die Lebensqualität zu erhöhen, wieder die Menschen dahin zurückzubringen, wo sie mal waren, wie zum Beispiel dass man wieder tanzen gehen kann, dass man wieder malen kann.

Es sind ja so viele verschiedene Symptome, die eine chronische Erkrankung mit sich einbringen kann. Und das sind eher die Sachen, auf die wir uns stärker fokussieren sollten. Dass wir den Schmerz nachhaltig runterbringen kann. Also es sind ja die kleinen Fortschritte, die wir sozusagen erreichen müssen, dass sie trotzdem noch weiterhin nur Lösungs Lösungsweg angeboten bekommen, den sie vor allem auch eigenständig sozusagen dann betreten können.

Natürlich helfe ich Ihnen dann auch in die Cannabis Therapie reinzukommen, die Kostenübernahme zu schreiben oder was auch immer. Ich denke, es ist wichtig, dass man sich eine Person zur Seite nimmt, der man vertraut auf einer medizinischen Ebene und lässt es sich ungefiltert von dieser Person einfach beraten. In der Gesellschaft sind gerade so viele Meinungen und und und Erfahrungen von Cannabis und es gibt ja auch ganz, ganz viele negative Erfahrungen mit Cannabis für bestimmte Altersgruppen und für bestimmte Patienten.

Sollte Cannabis auch auf gar keinen Fall angewendet werden. Was wichtig ist, ist, dass wir uns eben eine richtige medizinische Aufklärung dahinter holen. Was finde ich nicht ausreicht ist, dass man zu einem Arzt geht, wo man zehn Minuten Gespräch hat. In der Cannabis Therapie, wo auch viele Risiken, wo viele Vorbehalte sind, ist es einfach wichtig, dass man wichtige medizinische Aufklärung und eine richtige medizinische Begleitung auch erhält.

Man es richtig medizinisch kontrolliert einnimmt. Dann dann hat man diese ganzen negativen Effekte hat man gar nicht mehr, sondern man hat eigentlich nur noch diese positiven Effekte. Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass ich einschlafe und zu viel Hunger habe, würde ich sagen seltener. Aber Nebenwirkung ist, dass man paranoid wird, dass man Herzrasen bekommen. Vor allem mit der Zeit sind die gar nicht mehr vorhanden.

Was einem eigentlich wichtig ist, ist, dass man einfach nicht diese Angst hat vor dieser Cannabis Therapie. Per se ist es einfach das nächste Paracetamol oder die nächste Ibuprofen. Es ist einfach ein fix beliebiges Medikament. Wie oft bin ich zum Arzt gegangen und hab mir wegen irgendwas Antibiotika verschreiben lassen? Ich habe es nie hinterfragt. Wir haben eine kontrollierte Therapie.

Ich gehe zum Arzt. Ich kann es mir verschreiben lassen. Ich weiß ganz genau, was da drin ist. Kann mit viel, viel weniger Nebenwirkungen eine bessere Therapie sozusagen erhalten. Deswegen ist es wichtig, dass man einfach mal die Cannabis Therapie ausprobiert, dass einfach auch nicht nur wieviele Ibuprofen es ich nehme jetzt nicht überprüfen und mein Schmerz geht weg sondern mein Schmerz geht weg.

Meine Laune wird besser, ich bin entspannter. Das ist das, was das Cannabis mir wieder sozusagen zurückgegeben hat. Dass ich genau diese Dinge, die ich die ich aufgeben musste als junger Mensch, dass ich die mehr oder weniger wieder aufnehmen konnte. Und ich glaube, das ist ja auch ein riesengroßer Aspekt für ältere Menschen, dass sie ihre ihre Fähigkeiten, solange es geht, aufrechterhalten.

Die Anfänge: Leben mit chronischer Migräne und multiplen Erkrankungen

Nicolas Enriquez ist nicht nur Patient, sondern hat auch in seinem früheren Beruf als wissenschaftliche Fachkraft und Projektmanager  jahrelange Erfahrung in der Arzneimittel-forschung gesammelt. Seine Krankengeschichte ist komplex: Neben einer chronischen Migräne leidet er an Psoriasis Arthritis – einer entzündlichen Erkrankung, die bei ihm vor allem Bänder, Gewebe und Muskulatur betrifft. In den letzten Jahren kamen durch mehrere Covid-Infektionen gravierende gesundheitliche Einschnitte hinzu: Muskelschwäche, Nervenschmerzen, extreme Müdigkeit, kognitive Einschränkungen und letztlich eine Lähmung aller vier Gliedmaßen, die ihn an den Rollstuhl fesselte.

Die chronische Migräne war für Nicolas lange Zeit das dominierende Symptom. Die Attacken kamen häufig, meist mehrmals pro Woche, und brachten ihn an die Grenzen seiner Belastbarkeit. Lichtempfindlichkeit, Übelkeit, pulsierende Schmerzen und die völlige Unfähigkeit, am sozialen oder beruflichen Leben teilzunehmen, bestimmten seinen Alltag. Hinzu kamen die chronischen Schmerzen und die Erschöpfung durch die anderen Erkrankungen – ein Kreislauf, aus dem es scheinbar kein Entkommen gab.

Skepsis gegenüber Medizinalcannabis: Fachliche Distanz und persönliche Vorbehalte

Obwohl Nicolas als wissenschaftliche Fachkraft in der klinischen Arzneimittelforschung gearbeitet hatte, stand er der Medizinalcannabis-Therapie lange Zeit skeptisch gegenüber. In seiner beruflichen Praxis hatte er häufig die Interaktionen von Medizinalcannabis mit anderen Medikamenten beobachtet und war sich der Risiken bewusst. Auch persönliche Erfahrungen mit Cannabis in der Freizeit hatten ihn nicht überzeugt – zu groß schien die Gefahr von Wechselwirkungen mit den vielen Präparaten, die er aufgrund seiner Grunderkrankungen einnahm.

Als chronischer Migränepatient war Nicolas auf der Suche nach einer Lösung, die sowohl wirksam als auch verträglich war. Herkömmliche Migränemedikamente hatten bei ihm entweder nicht ausreichend gewirkt oder zu starke Nebenwirkungen verursacht. Die Hoffnung auf eine nachhaltige Verbesserung schwand mit jedem weiteren Therapieversuch.

Der Wendepunkt: Ein Urlaub, ein Selbstversuch und eine neue Perspektive

Der eigentliche Wendepunkt kam für Nicolas unerwartet. Während eines Urlaubs mit Freunden – zu einem Zeitpunkt, an dem er sich gesundheitlich am absoluten Tiefpunkt befand – konsumierte er nach langer Pause wieder Cannabis. Die Wirkung war überraschend: Die chronische Migräne, die ihn monatelang nahezu ununterbrochen gequält hatte, verschwand innerhalb kürzester Zeit. Für ein bis zwei Tage war er schmerzfrei – ein Zustand, den er seit Monaten nicht mehr erlebt hatte.

Diese Erfahrung brachte Nicolas zum Umdenken. Er begann, sich intensiver mit der wissenschaftlichen Evidenz zu Medizinalcannabis zu beschäftigen, recherchierte Studien, sprach mit Kolleg:innen und Patient:innen und reflektierte seine eigenen Vorbehalte. Besonders überzeugte ihn, dass die Wirkung von Medizinalcannabis tiefgreifende Effekte auf das Nervensystem und die Schmerzregulation haben kann.

Die Entscheidung für die Medizinalcannabis-Therapie: Von der Skepsis zur Überzeugung

Nach Rücksprache mit seinem behandelnden Arzt und einer eingehenden Prüfung aller Risiken und Wechselwirkungen entschied sich Nicolas schließlich, einen Antrag auf Kostenübernahme für Medizinalcannabis zu stellen. Die Genehmigung wurde bewilligt, und die Therapie begann unter ärztlicher Aufsicht und mit genauer Dokumentation.

Die Dosierung wurde langsam gesteigert, um Nebenwirkungen zu vermeiden und die optimale Wirkung zu erzielen. Nicolas entschied sich – auch aufgrund seiner medizinischen Vorkenntnisse – für eine bedarfsorientierte Anwendung, bei der die Medikation individuell auf die jeweilige Situation abgestimmt wird. Besonders hilfreich war für ihn, dass er bei aufkommenden Migräne-Symptomen gezielt reagieren konnte: Sobald er spürte, dass das Migräne-Trigger, wie z. B. grelles zu grelles Licht oder die ersten Anzeichen einer Attacke auftraten, oder die ersten Anzeichen einer Attacke auftraten, nahm er seine Medikation ein und konnte so die Migräne oft verhindern oder zumindest deutlich abmildern.

Die Wirkung im Alltag: Schmerzlinderung, verbesserte Lebensqualität und neue Perspektiven

Die positiven Effekte der Cannabistherapie zeigten sich für Nicolas schon nach kurzer Zeit. Die Migräneattacken wurden seltener und weniger intensiv, die Schmerzphasen verkürzten sich, und die Begleitsymptome wie Licht- und Geräuschempfindlichkeit, Übelkeit und kognitive Einschränkungen besserten sich deutlich. Besonders beeindruckend war für ihn, dass er wieder am sozialen Leben teilnehmen konnte: Familienbesuche, Gespräche und gemeinsame Aktivitäten wurden wieder möglich, ohne dass er ständig auf der Suche nach Rückzugsmöglichkeiten war.

Auch die chronischen Schmerzen und die Fatigue, die ihn durch die Psoriasis Arthritis und die Folgen der Covid-Infektionen begleiteten, wurden durch die Medizinalcannabis-Therapie gelindert. Nicolas berichtet, dass er nicht mehr den ganzen Tag im Bett verbringen musste, sondern wieder aktiv am Leben teilnehmen konnte. Die Lebensqualität stieg spürbar und auch sein Umfeld bemerkte die positiven Veränderungen.

Akzeptanz im privaten Umfeld: Vom Stigma zur Unterstützung

Wie viele Medizinalcannabis-Patient:innen erlebte Nicolas im privaten Umfeld zunächst Skepsis – insbesondere von seinem Vater, der dem Thema Medizinalcannabis sehr konservativ gegenüberstand. Die Unsicherheit war groß, wie mit der neuen Therapie umzugehen sei. Doch die sichtbaren Verbesserungen überzeugten schließlich auch die Familie: Die Schmerzfreiheit, die Rückkehr zu mehr Lebensfreude und die wiedergewonnene Selbstständigkeit führten dazu, dass auch die engsten Angehörigen die Therapie akzeptierten und unterstützten.

Nicolas betont, dass die meisten Menschen nicht grundsätzlich gegen Medizinalcannabis sind – sie wünschen sich in erster Linie, dass es den Betroffenen besser geht. Sobald die positiven Effekte sichtbar werden, schwindet häufig auch das Stigma.

Hürden im Gesundheitssystem: Vorurteile, Unsicherheit und Ablehnung

Trotz der positiven Erfahrungen machte Nicolas als Patient und medizinischer Berater auch viele negative Erfahrungen im Gesundheitssystem. Vorurteile und Unsicherheiten sind nach wie vor weit verbreitet – nicht nur bei Patient:innen, sondern auch bei Ärzt:innen und Therapeut:innen. Viele Mediziner:innen lehnten die Therapie ab oder warfen ihm vor, Medizinalcannabis nur zum „High“-Werden nutzen zu wollen. Selbst bei bewilligter Kostenübernahme kam es zu Ablehnungen und Vorbehalten.

Ein Grund für diese Skepsis ist laut Nicolas die Unsicherheit im Umgang mit Medizinalcannabis: Die Vielzahl an Sorten, die individuelle Dosierung und die vergleichsweise komplexe Steuerung der Therapie machen vielen Ärzt:innen Angst. Während bei klassischen Schmerzmitteln wie Ibuprofen die Nebenwirkungen und Dosierungen klar kalkulierbar sind, erscheint Cannabis für viele noch als „Black Box“. Hinzu kommt die Angst vor Regressforderungen und die ideologische Ablehnung – Argumente, die selbst durch wissenschaftliche Evidenz oft nicht entkräftet werden können.

Die Bedeutung von Aufklärung und wissenschaftlicher Evidenz

Als Medizinischer Berater legt Nicolas großen Wert auf Aufklärung und wissenschaftliche Fundierung. Er betont, dass die Wirkung von Medizinalcannabis mittlerweile durch zahlreiche Studien belegt ist – insbesondere bei chronischen Schmerzen.

Nicolas sieht es als seine Aufgabe, sowohl Patient:innen als auch Kolleg:innen über die Möglichkeiten und Grenzen der Medizialcannabis-Therapie zu informieren. Er berichtet von vielen Patient:innen, die durch falsche Informationen oder Versprechen aus der Medizin enttäuscht wurden und erst durch die individuelle, evidenzbasierte Beratung neue Hoffnung schöpfen konnten.

Nebenwirkungen, Sicherheit und individuelle Anpassung

Ein wichtiger Aspekt der edizinalcannabis-Therapie ist die individuelle Dosierung und die Beobachtung möglicher Nebenwirkungen. Nicolas konnte durch die Therapie viele seiner bisherigen Medikamente reduzieren oder ganz absetzen – ein Vorteil, der auch das Risiko von Nebenwirkungen und Wechselwirkungen deutlich senkte. Die Nebenwirkungen von Medizinalcannabis beschreibt er als mild und beherrschbar: Gelegentliche Müdigkeit oder Mundtrockenheit traten auf, waren aber nicht vergleichbar mit den Belastungen durch klassische Migränemedikamente.

Die Therapie erfordert Disziplin und Selbstbeobachtung: Nicolas dokumentiert seine Erfahrungen, passt die Dosierung gemeinsam mit seinem Arzt an und achtet darauf, die Medikation verantwortungsvoll einzusetzen. Besonders wichtig ist für ihn die ärztliche Begleitung und die regelmäßige Kontrolle, um die optimale Wirkung zu erzielen und Risiken zu minimieren.

Gesellschaftlicher Wandel und Ausblick

Die Erfahrungen von Nicolas zeigen, dass Medizinalcannabis für viele Menschen mit chronischer Migräne eine echte Chance auf mehr Lebensqualität bedeutet. Gleichzeitig macht sein Bericht deutlich, wie wichtig gesellschaftlicher Wandel, Entstigmatisierung und Aufklärung sind. Die Akzeptanz von medizinischem Cannabis als Therapieoption wächst – nicht zuletzt durch die positiven Erfahrungen von Patient:innen wie Nicolas, die ihre Geschichte offen teilen.

Er wünscht sich, dass mehr Betroffene Zugang zu evidenzbasierter Beratung und einer individuell angepassten Therapie erhalten. Die Zukunft der Migränebehandlung liegt in einem offenen, patientenzentrierten Ansatz, der klassische und neue Therapieoptionen sinnvoll kombiniert.

Fazit

Nicolas Enriquez’ Weg mit chronischer Migräne und Medizinalcannabis steht exemplarisch für viele Betroffene, die nach langer Leidenszeit eine neue Perspektive gefunden haben. Trotz anfänglicher Skepsis und zahlreicher Hürden im Gesundheitssystem hat er durch die Medizinalcannabis-Therapie nicht nur seine Migräne, sondern auch seine Lebensqualität deutlich verbessern können. Die enge ärztliche Begleitung, die individuelle Dosierung und die Offenheit für neue Wege waren dabei entscheidend.

Sein Bericht macht Mut, Vorurteile abzubauen und sich offen mit den Möglichkeiten der modernen Schmerztherapie auseinanderzusetzen. Medizinalcannabis ist kein Wundermittel, aber für viele Patient:innen ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu mehr Selbstbestimmung und Lebensfreude.

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Häufig gestellte Fragen

Die Studienlage ist noch begrenzt und nicht eindeutig, weshalb sich die medizinische Fachwelt uneinig ist. Es gibt einzelne Hinweise auf die Reduktion der Migränehäufigkeit, sowie die Linderung der Beschwerden, aber für eine offizielle Empfehlung werden weitere Studien benötigt.1,2

1 Okusanya BO, Lott BE, Ehiri J, McClellandJ, Rosales C. Medical Cannabis for the Treatment of Migraine in Adults: AReview of the Evidence. Front Neurol. 2022 May 30;13:871187. doi:10.3389/fneur.2022.871187. PMID: 35711271; PMCID: PMC9197380.

2 Aviram J, Vysotski Y, Berman P, LewitusGM, Eisenberg E, Meiri D. Migraine Frequency Decrease Following ProlongedMedical Cannabis Treatment: A Cross-Sectional Study. Brain Sci. 2020 Jun9;10(6):360. doi: 10.3390/brainsci10060360. PMID: 32526965; PMCID: PMC7348860.

Die Erfahrungen sind gemischt – einige Patient:innen berichten von Linderung, andere spüren keine Wirkung. Studien weisen darauf hin, dass die Migränehäufigkeit sowie der Auswirkung von Migräne auf den Alltag durch Medizinalcannabis reduziert werden kann.1,2 Allerdings sind weitere Studien sind nötig, um langfristig die Sicherheit und Wirksamkeit von Medizinalcannabis bei Migräne zu bestätigen.

1 Okusanya BO, Lott BE, Ehiri J, McClellandJ, Rosales C. Medical Cannabis for the Treatment of Migraine in Adults: AReview of the Evidence. Front Neurol. 2022 May 30;13:871187. doi:10.3389/fneur.2022.871187. PMID: 35711271; PMCID: PMC9197380.

2 Aviram J, Vysotski Y, Berman P, LewitusGM, Eisenberg E, Meiri D. Migraine Frequency Decrease Following ProlongedMedical Cannabis Treatment: A Cross-Sectional Study. Brain Sci. 2020 Jun9;10(6):360. doi: 10.3390/brainsci10060360. PMID: 32526965; PMCID: PMC7348860.

Patient:innen berichten von weniger Nebenwirkungen mit Medizinalcannabis als durch starke Schmerzmittel. Allerdings fehlen noch Langzeitstudien zum direkten Vergleich der Risiken und Nebenwirkungen. Die Therapie mit Medizinalcannabis sollte immer ärztlich begleitet werden.

Eine Verschreibung ist möglich, aber in der Praxis schwierig. Ärzt:innen und Krankenkassen sind bei Migräne als alleiniger Indikation sehr zurückhaltend, da die Studienlage noch nicht eindeutig ist.

Eine Therapie mit Medizinalcannabis kann bei Migräne eingesetzt werden, wenn alle anderen konventionellen Therapien versagt haben oder unverträglich waren. Bei chronischer Migräne mit sehr starken Einschränkungen können die Aussichten besser sein.

Eine tägliche prophylaktische Anwendung ist eine Möglichkeit, ähnlich wie bei anderen Migräne-Prophylaxe-Medikamenten. Viele Patient:innen bevorzugen jedoch den Einsatz nur bei akuten Anfällen. Die Therapie mit Medizinalcannabis sollte unter ärztlicher Aufsicht erfolgen. Ihr Arzt/Ihre Ärztin erstellt einen individuellen Therapieplan für Sie.

Neurolog:innen, Schmerztherapeut:innen oder spezialisierte Cannabis-Ärzt:innen sind oft aufgeschlossener als Hausärzt:innen. Wichtig sind umfassende Unterlagen über bisherige erfolglose Therapien, um die medizinische Notwendigkeit zu belegen.

Die Zurückhaltung der Ärzt:innen liegt an der noch unklaren Studienlage. Krankenkassen genehmigen eine Therapie mit Medizinalcannabis bei Migräne nur selten, weshalb Ärzt:innen eher auf etablierte Therapien setzen.

Bei Inhalation kann Cannabis binnen Minuten wirken und möglicherweise die Schmerzspitze dämpfen.4,5 Ob es eine akute Migräne komplett stoppt, ist jedoch individuell sehr unterschiedlich und nicht bei allen Patient:innen der Fall.

4 Lucas CJ, Galettis P, Schneider J. Thepharmacokinetics and the pharmacodynamics of cannabinoids. Br J Clin Pharmacol.2018 Nov;84(11):2477-2482. doi: 10.1111/bcp.13710. Epub 2018 Aug 7. PMID:30001569; PMCID: PMC6177698.

5 Romero-Sandoval EA, Kolano AL,Alvarado-Vázquez PA. Cannabis and Cannabinoids for Chronic Pain. Curr RheumatolRep. 2017 Oct 5;19(11):67. doi: 10.1007/s11926-017-0693-1. PMID: 28983880.